Pfingstkonzert im besten Sinne

11. Juni 2025

Giorgio Parolini begeistert bei den Deggendorfer Orgelkonzerten

Pfingsten ist das Fest des Heiligen Geistes, der für Bewegung und Inspiration sorgt. In dieser Richtung stand das jüngste Konzert der „Deggendorfer Orgelkonzerte“, das am Pfingstsamstag in der Pfarrkirche St. Martin stattfand. Der international bekannte italienische Konzertorganist Giorgio Parolini war der Einladung von Kirchenmusiker Conrad Jocher nach Deggendorf gefolgt. Mit einem sorgfältig zusammengestellten Programm an der Rieger-Orgel stellte er dabei eindrucksvoll unter Beweis, warum er bereits in der Notre-Dame in Paris und der St. Patrick’s Cathedral in New York konzertierte. Stadtpfarrer Franz Reitinger begrüßte den Künstler herzlich – und passend zu seiner Nationalität auf Italienisch und freute sich zurecht auf brillante Interpretationen.
Parolini, der neben Klavier, Cembalo und Orgel auch Orgelkomposition studierte und derzeit am Conservatorio N. Paganini in Genua lehrt, eröffnete das Konzert mit zwei Werken von Johann Sebastian Bach („Präludium und Fuge Es-Dur“ sowie „Schmücke dich, o liebe Seele“). Die klare Struktur der barocken Polyphonie bot einen soliden Auftakt für ein Programm, das sich anschließend mit Werken von Lucio Mosé Benaglia, César Franck, Louis Vierne und Grimoaldo Macchia weitüber die Jahrhunderte spannte – ein stilistisch vielfältiger Streifzug durch musikalische Epochen, voller Klangfarben und Ausdruckstiefe. Der Schwerpunkt lag dabei spürbar auf zeitgenössischer Musik. Das Pfingstkonzert verzichtete weitgehend auf mächtige äußere Effekte – mit Ausnahme von Francks „Choral Nr. 2 in h-Moll“, der mit dramatischer Klangfülle hervorstach. Im Allgemeinen war das Konzert bewusst besinnlich und spirituell geprägt. Besonders in den Werken von Benaglia und Macchia zeigte Parolini seine Fähigkeit, Klangräume meditativ zu entfalten. Einige der Kompositionen griffen bekannte Melodien auf – so hatten zwei Stücke die geistlichen Lieder wie „Herr, du bist mein Leben“ und „Nun singt ein neues Lied dem Herren“ zum Thema, was bei den rund 80 Zuhörern für eine schöne Erinnerung sorgte. Die Zugabe, für die sich das Publikum mit langanhaltendem Applaus bedankte, rundete den Abend ab.
Parolini präsentierte alle Werke mit technischer Brillanz und interpretatorischem Tiefgang. Besonders eindrucksvoll war sein feines Gespür für Klangfarben und seine stilistische Sicherheit. Er ließ die Orgel nicht nur musikalisch, sondern beinahe spirituell atmen– ganz im Sinne des Festes. Die letzten Töne des Abends ließ er schwebend sanft verklingen – wie ein stilles Gebet, das im Raum nachhallte. Es war ein Konzertabend voller musikalischer Tiefe, technischer Meisterschaft und geistlicher Resonanz – und damit ein Pfingstkonzert im besten Sinne: erhebend, verbindend und inspirierend.

Jürgen Stern („Deggendorfer Zeitung“ 11. Juni 2025)