Organist lässt seine Finger virtuos laufen
29. Juli 2011
Der Mailänder Musiker Giorgio Parolini spielt in der Mühlheimer Galluskirche
Ein interessantes Konzert mit Blick in Renaissance und Frühbarock ließ der international tätige Mailänder Organist Giorgio Parolini in der kleinen St. Galluskirche Mühlheim (der Begräbniskirche der Barone von Enzberg) erleben. Links vom figurenreichen Barockaltar steht auf einer winzigen Empore das Örgelchen mit immerhin fünf Registern, 8′ – 4′ – 2-Fuß, Quinte und Mixtur und nur sieben Pedalen. Am unweränderten Instrument von 1734 wurde vorgeführt, was die Menschen damals hörten.
Parolini musizierte Werke, die um 1600 bis 1700 entstanden. In Cabezons Komposition setze er die Einzelregister und deren Kombinationen zum Kennenlernen ein. In Frescobaldis Recercar Cromatico dachte man: Ist die Orgel verstimmt? Ist sie nicht, sondern sie tönt in der damaligen mitteltönigen Stimmung, in der nur einige Tonarten rein gestimmt sind und die anderen für uns unrein klingen. Doch so faszinierte und erfreute damals die Orgelmusik in ihrem figurenreichen Verlauf trotzdem die Menschen.
Die früheren Komponisten, wie die oben erwähnten, und Jan Pieterszoon Sweelinck und Francisco Correa de Arauxo störte dies wenig, doch Johann Pachelbel komponierte später Toccata und Fuge in reingestimmten C-Dur und Georg Böhm seine Partita über „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ in a-Moll, so dass diese herrlich erfundenen Werke gewohnter klangen.
Musikalische Kostbarkeit
Welch liebenswürdige Musik waren Canzona und All’Offertorio von Domenico Zipoli, letzeres eine ruhige, träumerische Melodie über harmonischem Grund. Zum Schluss ließ Giorgio Parolini seine Finger in Georg Muffats mehrsätziger „Toccata septima“ gar virtuos laufen. Eine musikalische Kostbarkeit wurde mit diesem Konzert geboten, das reichen Beifall bekam.
Siegfried Burger (“Graenzbote / Heuberger Bote / Trossinger Zeitung”, 29 Juli 2011)