Einmal die Orgel auf und ab

12. März 2010

Schnell mal für ein Konzert nach Heilbronn und zurück? Für Giorgio Parolini kein Problem. Wenige Stunden bleiben dem Organisten aus Mailand zur Vorbereitung für das Konzert im Deutschordens-münster. Professionell bringt er Raum und Instrument in Einklang, zügig staffelt sich die Registrierung von „Langsam“ aus Robert Schumanns Fugen über B-A-C-H zu romantischer Größe. Dicht gelingt „Mit sanften Stimmen“.
Maßvolle Tempi zeichnen Bachs Concerto a-Moll aus, hier findet Parolini den Mittelweg zwischen großzügigem Klang und Virtuosität. So scheinen selbst die Repetitionen und Pedalstellen des Schlusssatzes transparent. Das rokokohaft selbstverliebte Auf und Ab in César Francks Prélude, Fugue et Variation kann ermüdend wirken, doch Parolini bemüht sich um vorwärtsgerichtete Phrasierung. Seit 1999 ist er Organist an der Basilika St. Eufemia. Ob Marco Enrico Bossi die Orgel (1909) der Basilika gekannt hat?
Seine „Rédemption“ ist ein Flirt mit deutscher Romantik, hymnisch steigert sich das Konzertstück. Mit dem 2. Satz „Pastorale“ aus der ersten Orgelsonate (1874) von Alexandre Guilmant zaubert Parolini eine bukolische Landschaft mit Dorfkirche, Choralabschnitte einer schnarrenden Orgel wehen herüber und mischen sich mit luftiger Melodik.
Seelisch belastet war Louis Vierne zu Enstehungszeit seiner dritten Ogelsymphonie fis-Moll (1911). Als Psychogramm entfaltet sich das brütende Adagio, orchestral und trotzig gelingt der 5. Satz „Final“, eine wuchtige Doppel-Toccata, die mit markanter Dur-Wendung aus dem Tunnel zum Licht führt. Viel Beifall.

Lothar Heinle (www.stimme.de/heilbronn/kultur 12. Marz 2010)