Standing Ovations im Gotteshaus
20. Oktober 2009
ORGELZYKLUS Giorgio Parolini aus Mailand gastierte auf Einladung von Dekanatskantor Marius Popp in der Kronacher Christuskirche. Es war das zweite von insgesamt drei Konzerten.
Der fünfte Kronacher Internationale Orgelzyklus wurde am Sonntag mit einem beeindruckenden Konzert von Giorgio Parolini fortgesetzt.
Unter dem Motto „Virtuose Orgelmusik aus dei Jahrhunderten“ brachte der Organist von der berühmten Basilica Santa Eufemia in Milano ebenso anspruchsvolle wie höchst interessante Werke – schwerpunktmäßig italienischer Komponisten – zum Klingen. Als eine Hommage zum 200. Geburtsjahr von Felix Mendelssohn-Bartholdy erklang dessen sechste und letzte Sonate, die auch als Vater unser-Sonate bekannt ist. Für die künstlerische Leitung des Orgelzyklusses, der heuer mit drei großen Konzerten aufwarte und unter der Schirmherrschaft von Landrat Oswald Marr steht, ist einmal mehr Dekanatskantor Marius Popp verantwortlich.
Sehr geschätzter Künstler
Diesem gelingt es immer wieder, namhafte Organisten für die Orgelkonzerte zu gewinnen. So stellte sich mit Giorgio Parolini in der Christuskirche einer der renommiertesten italienischen Organisten der jüngeren Generation vor. Der 1971 geborene Musiker war nach seinen Orgelstudien in Italien und am Genfer Konservatorium bei verschiedenen internationalen Wettbewerben erfolgreich. Neben einer ausgedehnten Konzerttätigkeit, wo er als Solist regelmäßig in bedeutenden Kathedralen in Europa und den USA – beispielsweise in Notre-Dame in Paris oder St. Patrick’s Cathedral in New York – auftritt, wirkt Parolini derzeit als Titularorganist and der Basilika St. Eufemia in Mailand. Der Dekanatskantor freute sich sehr, den hoch geschätzten Künstler in Kronach begrüßen zu dürfen. Dieser sei tief in die Materie der italienischen Orgelmusik „eingetaucht“ und verstehe deren „besondere Sprache“. Mit Felix Mendelssohn-Bartholdys Sonate Nummer 6 demonstrierte Giorgio Parolini den ganzen Facettenreichtum dieses Werks – vom andächtigen Piano bis hin zum majestätischen und virtuosen Fortissimo. „Solo für Oboe“ wurde mit einem schönen Zungenregister dem Titel gerecht, während in „Invocazione“ ruhig die Melodie mit Flöten hervorgehoben und mit Streichern untermalt wurde. Beide Stücke entstammen der Feder von Filippo Capocci.
Im zeitgenössischen Werk von Eugenio Maria Fagiani „Veni Creator Spiritus“, das vom Komponisten dem Organisten Parolini gewidmet wurde, zeigte sich die effektvoll durchgearbeitete Musik. In dieser bewegten sich die sehr schnell abgewechselten Motive in großen Dissonanzen über dem eigentlichen cantus firmus in Pedal und endeten im strahlendem Plenum als Hommage an den Heiligen Geist.
Mit mannigfaltigen und ausgeklügelten Registrierungen – gekoppelt mit Virtuosität – bot Giorgio Parolini auch die weiteren Programmpunkte dar. Begeistert vom überragenden Können des Ausnahme-Organisten reagierten die Zuhörer mit frenetischem Beifall und Standing Ovations.
Heike Schülein (“Fränkischer Tag” 20. Oktober 2009)