Parolini spielt himmlisch hell
23. September 2009
Sommerzeit ist Konzertzeit: Nicht nur in den Münstern Zwiefalten und Obermarchtal. In der Riedlinger Stadtpfarrkirche St. Georg hat Elmar Springer einen vierteiligen Orgelzyklus etabliert, dessen zweitletztes Konzert von dem Mailänder Titularorganisten Giorgio Parolini gespielt wurde.
Mit Felix Mendelssohns Sonate Nr. 6 (Vaterunser) demonstrierte der mehrfach ausgezeichnete Organist der Basilika Santa Eufemia aus Mailand den Facettenreichtum dieses Werkes, vom andächtigen Piano bishin zum majestätischen und virtuosen Fortissimo. „Solo für Oboe“, das folgende Stück, wurde mit einem äußerst schönen französischen Zungenregister und einer ätherischen Begleitung dem Titel gerecht, ebenso in „Invocazione“ , ruhig die Melodie mit Flöten hervorgehoben und mit Streichern untermalt. Beide Stücke entstammen der Feder von Filippo Capocci.
Große Musik bei Marco Enrico Bossi in seiner hochvirtuos und mit prachtvoller Klangentfaltung gespielten „Etude symphonique“ und dem sich anschließenden tänzerischen, fast an ein Scherzo anlehnendes „Allegretto“.
In dem einzigen zeitgenössischen Werk des italienischen Komponisten Eugenio Maria Fagiani „Veni creator spiritus“, welches vom Komponisten dem Organisten Parolini gewidmet wurde, zeigte sich die effektvoll und motivisch stringent durchgearbeitete Musik, in der sich die sehr schnell abgewechselten Motive in großen Dissonanzen über dem eigentlichen cantus firmus im Pedal bewegten und im strahlenden Plenum als Hommage an den Heiligen Geist endeten.
Ruhig, ja fast kontemplativ im 9/8 Takt des „Scherzo“ des Franzosen Eugène Gigout, welches an einen Pastorale erinnerte und die Freude eines Hirten bei seiner Herde wiederspiegelte. Mit Léon Boellmanns „Suite gotique“ scheiden sich die Geister: Überladen finden die einen dessen orgelsinfonische Einwürfe, als überwältigend empfinden es die anderen. In mächtigem Tutti der Einführungschoral in c-moll gespielt, etwas abgeschwächt mit großem Zungenplenum das „Menuet gothique“ und dann das mystische „Prière à Notre Dame“, in dem die Harmonik in immer neuen spektralen Brechungen aufleuchtete.So auch in der höchst virtuos gespielten Finaltoccata, in der die ganze Bandbreite der romantischen Harmonik zu hören ist: zunächst etwas graue Klänge, die sich dynamisch immer mehr aufhellen und an Farbigkeit gewinnen. Und am Ende zeigte sich der Himmel.
Manigfaltige, ausgeklügelte und somit durchdachte Registrierungen, gekoppelt mit einem Übermaß an Virtuosität ließen die Zuhörer mit frenetischem Beifall reagieren und dem Organisten eine Zugabe (Humoresque) entlocken. So darf man auf weitere Konzerte gespannt sein.
(aus „Schwäbische Zeitung Online“ 23. September 2009)